Rapid Eye Moment

Fotografie

In seinen Träumen ist der Mensch dem Fernen nah, denn der Traum kann die Erfüllung rein physikalisch realisierbarer Wünsche simulieren, die dem Träumenden im wachen Zustand bewusst oder unbewusst sein mögen. Er gibt ihm aber auch oft die Möglichkeit, in Szenarien zu agieren, die fernab jeder Realität sind.
Zu Beginn dieses Projektes habe ich mit vielen Menschen über ihre Träume gesprochen. Die Geschichten, die sie mir erzählten, reichten von Alltagssituationen, die plötzlich ins Skurrile abdrifteten bis ins komplett Surreale. Ich wollte diese Menschen einerseits im Schlaf zeigen und als kontrastierendes Gegenstück ihre surrealen Träume inszenieren.
Anfangs beschäftigte ich mich mehr mit dem Fotografieren der Schlafenden. Ich weckte Übernachtungsbesucher mit der Kamera in der Hand, organisierte mir die Schlüssel zu Wohnungen meiner Freunde, um in der Morgendämmerung unbemerkt zu fotografieren und bereitete parallel meine Inszenierungen vor.
Es stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass die Fotos von Schlafenden für ihre Betrachter viel interessanter waren als die inszenierten Traumszenarien. Deshalb beschäftigte ich mich nun weiter mit dem Schlaf und bezog für die folgenden Fotos andere Orte als das heimische Bett mit ein, sodass sich die Bilder echter Schlafender mit Schlafinszenierungen mischten.
Die finale Auswahl schließlich beschreibt ein Gefühl, das jedem von uns unbewusst vertraut sein sollte. Während der Traumphase verfällt unser Körper in die Schlafstarre und ist dann fast vollkommen bewegungsunfähig, nur die ruhige Atmung bleibt bestehen und die Augen bewegen sich schnell unter den Lidern; es erfolgt das Rapid Eye Movement, das während eines Traumes stattfindet. Mit meiner Fotoreihe möchte ich diesen Moment beschreiben, in dem körperliche Schwere und Bewegungslosigkeit auf geistige Höchstleistung treffen.